Häufig gestellte Fragen: Spirulinaproduktion

1. Gibt es ein "Bio-Spirulina"?

Es hängt davon ab, was man unter "Bio" versteht. Normen und Warenkennzeichnungen variieren je nach Land beträchtlich. In den USA mit "Bio" gekennzeichnetes Spirulina erhielte z.B. in Europa dieses Label nicht!

"Bio-Spirulina", definiert als "Spirulina, das ohne synthetische Düngemittel, Nahrungsmittelzusätze oder Pestizide produziert wird", lässt sich durchaus herstellen. Man würde nur natürliche Mineralsalze wie die Nitrate aus Chile, natürliche Phosphate etc. verwenden. Leider weist dieses Konzept zwei Schwächen auf:

Die Kultivierung von Spirulina findet in einem praktisch geschlossenen System statt. In diesem Fall kann man berechtigt an der Angemessenheit bestimmter Vorschriften zweifeln. Die natürlichen Nitrate aus Chile sind beispielsweise als lösliche Form von Stickstoff verboten – sie können im Boden versickern und das Grundwasser verschmutzen. Diese Beschränkung wäre demnach für Spirulinakulturen, die keinen direkten Kontakt zum Boden haben, nicht zutreffend. Rückstände des Kulturmediums können perfekt recycliert oder gereinigt werden (siehe Frage Nr. 2).

2. Wie wird verhindert, dass Rückstände des Kulturmediums die Umwelt verschmutzen?

Erfordert die Art der Kultivierung Reinigungsarbeiten, sind folgende Punkte zu beachten:

Während der Trockenzeit ist es besser, Rückstände in Abwasserteichen zu verdunsten. Die gewonnenen Mineralsalze können für die Spirulinakultur wieder eingesetzt werden. Es ist ebenfalls möglich, die Lösungen in tiefen (> 1m), vorzugsweise mit einem kleinen Kompressor belüfteten Becken aufzubereiten. Nach einigen Wochen klärt sich die Flüssigkeit und deren pH stabilisiert sich um einen Wert von 9.8: Dann eignet sie sich wieder als Kulturmedium.

3. Wie kann man ohne pH-Meter arbeiten?

Meistens ist der Gebrauch von einem pH-Papier ausreichend, in den folgenden Fällen sogar überflüssig:

Ein pH-Meter ist in den folgenden Fällen unerlässlich:

4. Wie hoch ist der ideale Pegel des Kulturmediums?

Die Antwort hängt von zahlreichen Faktoren ab. Bei einem relativ ebenen Beckenuntergrund genügt z.B. eine Höhe von 5 cm. Ein tiefer Pegel geht mit stärkeren Temperaturschwankungen im Bassin einher. Unterschiede in der Produktivität sind dennoch geringfügig. Die Spirulinakonzentration im Kulturmedium verhält sich bei gleichmässiger Belüftung umgekehrt proportional zur Höhe des Mediums: Bei geringem Niveau kann mit höheren Konzentrationen gearbeitet werden, was wiederum die Ernte erleichtert.

In der Praxis beträgt die durchschnittliche Höhe rund 20 cm, eine gute Voraussetzung hinsichtlich Temperatur und pH. Bei dem grundsätzlich optimalen Level von 10 cm ist die Kultur sensibler und erfordert mehr Aufmerksamkeit. Wenn das Becken nicht abgedeckt werden kann, verhindert ein höheres Niveau zu heisse Temperaturen.

5. Ist das Medium "Zarrouk" das beste?

Das Zarrouk-Medium ist kein Zaubermittel, doch es funktioniert tatsächlich gut. Es kann aber auch verbessert werden (z.B. in Bezug auf Spurenelemente oder wirtschaftliche Aspekte). "Demi-Zarrouk" ("Halbes-Zarrouk") und "quart-Zarrouk" ("Viertel-Zarrouk") sind gängige Begriffe. Diese Medien enthalten weniger Bicarbonat, weil eine Konzentration von 0.2 M nicht unbedingt nötig ist. Man kann sehr gut bei 0.1 M arbeiten und die Salinität durch mehr NaCl ausgleichen. Aber eine hohe Bicarbonat-Konzentration bewirkt eine bessere und angenehmere Stabilität des pHs. Sofern Kohlenstoff in Form von Bicarbonat beigefügt wird, lohnt es sich mit 0.2 M Bicarbonat zu arbeiten.

6. Ist es möglich, Spirulina in kühlen Regionen zu produzieren?

Die Antwort lautet ja, natürlich.

Man kann Spirulina überall und jederzeit produzieren, sofern die Kultur bei richtigen Temperatur- und Licht-Verhältnissen gehalten wird, was in einem Labor oder Phytotron (Gewächshaus, in dem künstlich ein Klima erzeugt wird) leicht fällt. Diese Möglichkeiten liegen ausser Reichweite von Kleinproduzenten – es sei denn, sie geben sich mit einem kleinen Aquarium in einem geheiztem Raum und einer täglichen Ernte von ein paar Gramm zufrieden.

Wenn das Klima ungünstig ist (z.B. Winter in der Normandie), würde man beim Versuch, Spirulina wie Tomaten oder Gurken zu züchten, eine Menge Geld in Heizung und Beleuchtung stecken.

Von Mai bis Oktober ist die Produktion in einem Gewächshaus ohne zusätzliches Heizen möglich: Man erzielt dieselbe Produktivität wie in Afrika, wenn künstlicher Kohlenstoff (CO2, Zucker oder Bicarbonat) zugeführt wird und die Sonne scheint (etwa halb so lang). Demnach sind Gebiete mit weniger Sonnenschein benachteiligt. Gibt man sich mit dem natürlichen Beitrag von CO2 zufrieden, nimmt der Unterschied zwischen mässigen und tropischen Klimazonen tendentiell ab, weil die CO2-Absorption der limitierende Faktor ist und diese auch ohne Sonneneinstrahlung abläuft.