Häufig gestellte Fragen: Spirulina im Allgemeinen

1. Wäre es nicht sinnvoller, bekannte Techniken zu beherrschen, bevor neue eingeführt werden?

Spirulina soll nicht klassische landwirtschaftliche Erzeugnisse ersetzten; Es handelt sich nur um eine Ergänzung, eine interessante Entwicklung. Ausserdem sind traditionelle Techniken oft direkt für Mangelernährung verantwortlich. Die klassische Landwirtschaft ist auf Exporte ausgerichtet, verbraucht viel Wasser und Boden, verursacht Umweltverschmutzung. Zu viele landwirtschaftliche Projekte führen trotz guter Absichten zur Versalzung des Bodens, Erosion und Desertifikation. Die Innovation unter dem Vorwand "beherrsche zuerst die klassischen Methoden" abzulehnen, ist ähnlich wie Afrika das Internet unter dem Vorwand "verbessere zuerst die Post" zu verweigern.

2. Obst und Gemüse würden für eine Verbesserung der Ernährung ausreichen: Wieso also sollte man eine Alternative entwickeln?

Spirulina ist kein Nahrungsmittelersatz, sondern Ergänzung. Es kann als eine Art "Super-Gemüse" betrachtet werden, das im Vergleich zu den klassischen Gartenerzeugnissen vielseitige Vorteile aufweist:

3. Mikronährstoffe, an denen es am meisten mangelt (Vitamin A, Eisen, Jod), kosten beinahe nichts. Ist es nicht ökonomischer, diese den Mahlzeiten hinzuzufügen, anstatt Spirulina zu produzieren und zu verteilen?

Das Anreichern von Nahrungsmitteln ist keine nachhaltige Lösung. Es beinhaltet den Export von pharmazeutischen Produkten sowie die Zentralisierung von Grundnahrungsmitteln, um diese anreichern zu können. Anschliessend ist eine Wiederverteilung erforderlich. Dieses in Notfällen und Krisensituationen gerechtfertigte Vorgehen kostet unter dem Strich mehr als erwartet: Aufwand für Infrastruktur, Logistik, Nahrungsmittelsicherheit (Risiko einer Überdosis).

Ausserdem können Anreicherungsprogramme Probleme für die lokale Wirtschaft nach sich ziehen. Angereicherte und stark vermarktete Grundnahrungsmittel (Mehl, Öl) konkurrenzieren lokale Produkte.

4. Ist die Spirulinaproduktion nicht zu kompliziert?

Technisch gesehen ist die Spirulinaproduktion viel einfacher als z.B. der Reisanbau. Das Problem besteht nicht wirklich in der Komplexität, sondern vielmehr in der Neuheit. Je nach Bildungsniveau dauert ein Training zwischen einer Woche und einem Monat (weit weniger als die Lehrzeit für klassische landwirtschaftliche Techniken).

5. Sind die nötigen Zutaten vor Ort einfach auffindbar?

Die Spirulinakultur braucht eine einzelne Substanz, die kein klassisches Düngemittel darstellt: Natriumbicarbonat. Dieses Produkt ist aber weit verbreitet, da es für Tierfutter und auf anderen Gebieten benutzt wird. Ausserdem kann es durch Holzasche ersetzt werden.

Die anderen Bestandteile, Stickstoff-, Phosphor- und Kaliumquellen, sind in der Landwirtschaft üblich. Forschungsarbeiten von Antenna Technologies haben ergeben, dass viele Alternativen existieren (siehe das Handbuch von J.-P. Jourdan (auf Französich)).

6. Wird Spirulina von der Bevölkerung und besonders von Kindern akzeptiert?

Entgegen den laufenden Befürchtungen zeigen die Erfahrungen, dass Spirulina (in geringer empfohlener Dosis) problemlos von denjenigen Kindern akzeptiert wird, die es benötigen. Tatsächlich mögen die Kinder Spirulina so sehr, dass sie sich beinahe darauf "stürzen".

7. Ist Mangelernährung nicht vor allem ein politisches und weniger ein technisches Problem?

Der Vorschlag "Spirulina" beinhaltet einen höchst politischen Aspekt: Es handelt sich um eine LOKALE Produktion, die die Ernährungsautonomie der schwächsten Einkommensklassen anstrebt. Die Technologie könnte also die verheerenden Folgen bestimmter nationaler und internationaler Politik unterbrechen.

Die Sicherung der Nahrungsmittelautonomie bedeutet in weitem Sinne auch, gegen den Einfluss multinationaler Unternehmen von Saatgut, gegen Kartelle und Händler von minderwertiger Nahrung und synthetischen Vitaminen zu kämpfen.