Die Begriffe Hunger, Hungersnot und Mangelernährung sorgen für Verwirrung. Deshalb erklären wir diese Begriffe.
Hunger ist ein physiologisches Empfinden, das ein bestimmtes Verhalten – die Suche nach Nahrung – hervorruft. Er macht sich hauptsächlich bei einem Kalorienmangel bemerkbar, aber nicht notwendigerweise bei einem Mangel an qualitativ hochwertiger Nahrung. Es ist durchaus möglich, seinen Hunger mit minderwertiger Nahrung zu stillen. So lässt sich der Erfolg des Fastfoods erklären.
Hungersnot bedeutet den Entzug oder das Fehlen von Nahrung in einem grossräumigen Gebiet während einer langen Zeitspanne. Kurz gesagt, handelt es sich um einen quantitativen Mangel an Nahrung, eine Art "kollektiven Hunger". Verheerende Hungersnöte sind hauptsächlich Folge von Kriegen und wurden zu "politischen Waffen". Dürre, Heuschreckeninvasionen und andere Naturkatastrophen haben weit weniger gravierende Ausmasse als das Banditentum von Armeen oder der Einsatz von Kriegswaffen.
Mangelernährung bezieht sich auf die Qualität und den Nährwert der absorbierten Nahrungsmittel. Sie stellt einen pathologischen Zustand dar, der durch eine längerfristige Unterversorgung an wichtigen Elementen für die Gesundheit (Zucker, Fette, Proteine und insbesondere essentielle Fettsäuren, Vitamine, Spurenelemente, Ballaststoffe etc.) zustande kommt.
Ein übermässiger oder einseitiger Verzehr bestimmter Nährstoffe (in Industrieländern sind dies üblicherweise Fette, Zucker und Proteine) kann ebenfalls zu Mangel- bzw. Fehlernährung führen.
In Entwicklungsländern ist die Mangelernährung jedoch auf die geringe Verfügbarkeit hochwertiger Nahrung zurückzuführen. Somit gibt es auch ohne Hungersnöte "chronische Mangelernährung". Sie verursacht zahlreiche Krankheiten und ist fähig, den menschlichen Organismus lebenslänglich zu schwächen oder sogar zu zerstören.
Kleinkinder erleiden als Folge chronischer Mangelernährung schwere irreversible Schäden der körperlichen und geistigen Entwicklung. Nach Berichten der UN sind 250 Millionen Kinder Opfer der Mangelernährung.
Gemäss einer Studie der WHO liegt die Sterblichkeitsrate von mangelhaft ernährten Kindern unter fünf Jahren bei 74%. Interessanterweise sind mehr als drei Viertel der Todesfälle auf leichte bis moderate – und nicht auf akute – Mangelernährung zurückzuführen. Diese von Forschern der Universität Cornell (USA) durchgeführte Studie kommt zum Schluss, dass Ernährungsprogramme für Kinder mit leichter bis moderater Mangelernährung wirkungsvoller sind als Programme, die sich auf stark unterernährte Kinder beschränken.
Für weitere Informationen zum Thema Mangelernährung können Sie das Dokument About malnutrition (auf Englisch) einsehen.